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Konzertrückblicke

2026 Frühjahr

„Bereite dich zu leben!“

Mahlers Auferstehungssinfonie als Blasorchester-Fassung begeistert bei drei Konzerten in Nordbayern

Text: Ines Scheuring

Ein Großprojekt mit 250 Mitwirkenden, Chören und Solistinnen: Die Aufführung von Mahlers Zweiter in Blasorchesterfassung wurde in Erlangen, Bad Kissingen und Würzburg zum eindrucksvollen Konzertereignis.

2025 Sommer

NBJBO begeistert mit „Sound. Spirit. Shades.“

Energiegeladene Abschlusskonzerte in Würzburg und Bamberg mit einem stilistisch breiten Programm

Text: Julia Maget

Die Sommerphase 2025 verbindet sinfonische Klangfarben, rhythmische Präzision und internationale Einflüsse – vom Boyars-Marsch über Gloriosa und Twist bis zu Blue Shades und einem Beatles-Porträt.

2025 Frühjahr

NBMB und Nordbayerische Bläserjugend auf der akustika 2025

Messestand, Konzertprogramm, Komponisten-Treff und Uraufführung von „Tara und die Instrumenteninsel“

Text: Ines Scheuring

Der Bericht zeigt den breiten Auftritt der Verbände auf der akustika: von Verbandsarbeit und Bühnenprogramm bis zur Uraufführung des neuen Kinderkonzerts und den Reading-Sessions mit 15 Komponisten.

2024 Sommer

Eine Reise in den Olymp und mit dem Drachen bis nach Las Vegas

Das NBJBO begeistert in Marktredwitz und Bamberg mit zwei energiegeladenen Abschlusskonzerten

Text: Anna Heuschmann

Mit Franco Hänle am Pult spannt das Programm den Bogen von El Cano und Leichte Kavallerie über El Olimpo de los Dioses bis zu How to Train Your Dragon und Godzilla eats Las Vegas.

2024 Frühjahr

NBJBO begeistert das Publikum auf der akustika in Nürnberg

Frühjahrsprojekt mit Gastdirigent Timor Oliver Chadik und Solist Alexander Wurz

Text: Jonas Lerche

Ein neu formiertes Orchester überzeugt auf der Musikmesse mit Slava!, Hymn of the Highlands, Musical-Highlights und der Zugabe Hot Canary.

2023 Sommer

„Bombastischer“ Abschluss der Sommerphase 2023

Franco Hänle und das NBJBO setzen mit Hell and Heaven, Samurai und Keen on Queen starke Akzente

Text: Anna Heuschmann

Die Konzerte in Bad Kissingen und Bamberg präsentieren ein kraftvolles Programm zwischen sinfonischer Präzision, japanischer Klangwelt und rockiger Energie.

2023 Frühjahr

Beeindruckendes Projekt von NBJBO und WiBraPhon

Gemeinschaftsphase unter Leitung von Prof. Johann Mösenbichler mit zwei herausragenden Konzerten

Text: Martin Hommer

Das Projekt Musik im Einklang vereint zwei Klangkörper zu einem außergewöhnlichen Ensemble und stellt mit James Barnes’ „Die Tragische“ einen eindrucksvollen Höhepunkt ins Zentrum.

2022 Sommer

Ein Jahreshighlight jagt das nächste beim NBJBO

Sommerphase in Hammelburg mit Abschlusskonzerten in Neumarkt und Bamberg

Text: Anna Heuschmann und Marina Hettrich

Trotz Rückschlägen entsteht ein starkes Konzertprogramm mit Lincolnshire Posy, Mother Earth, October und Extreme Make-Over – getragen von großer Orchestergemeinschaft.

2022 Frühjahr

Feierliches Abschlusskonzert der Innsbrucker Promenadenkonzerte

Das NBJBO zu Gast in der Kaiserlichen Hofburg

Text: Lukas Lang

Das Orchester gestaltet das offizielle Finale der Konzertreihe in Innsbruck mit einem anspruchsvollen Programm von Gaillarde bis zu den Symphonischen Metamorphosen.

2021 Sommer

Das NBJBO kehrt auf die Konzertbühne zurück

Nach 748 Tagen Konzertpause gelingt ein eindrucksvoller Neustart in Bad Neustadt und Bamberg

Text: Johannes Dornheim und Anna Heuschmann

Die Sommerarbeitsphase 2021 markiert den Wiedereinstieg mit Bernhard Schlögl, starker Orchestergemeinschaft und einem programmatischen Schwerpunkt auf Maslankas Symphony No. 4.

2026 Frühjahr

„Bereite dich zu leben!“

Mahlers Auferstehungssinfonie als Blasorchester-Fassung begeistert bei drei Konzerten in Nordbayern

Text: Ines Scheuring

„Bereite dich zu leben!“ – So lautet der Appell am Ende von Gustav Mahlers Auferstehungssinfonie, einem Werk, das nicht nur musikalisch, sondern auch emotional eine Reise durch die tiefsten Fragen des Lebens darstellt: Was bedeutet es, zu leben – und was bleibt über den Tod hinaus? Diese Fragen gingen durch den Raum, als das Nordbayerische Jugendblasorchester und das Orchester WiBraPhon in einer speziell für Blasorchester arrangierten Fassung von Mahlers monumentalem Werk begeisterten. Ergänzt wurden die beiden Orchester durch den Chor der Augustinerkirche Würzburg, den Würzburger Madrigalchor sowie den Großen Chor der Berufsfachschule für Musik Bad Königshofen und durch die Solistinnen Isabell Czarnecki (Alt) und Yoonsoo Shin (Sopran). Die Leitung der 250 Mitwirkenden lag bei Prof. Johann Mösenbichler, Chefdirigent des Polizeiorchesters Bayern und international gefragter Gastdirigent.

Die Konzerte am 14. März in der Heinrich-Lades-Halle Erlangen, am 15. März im Regentenbau in Bad Kissingen sowie die öffentliche Generalprobe am 13. März in der Würzburger Augustinerkirche boten dem Publikum nicht nur ein musikalisches Meisterwerk, sondern ein zutiefst berührendes Erlebnis – und eine Einladung, sich mit den existenziellen Fragen nach Leben, Tod und Auferstehung auseinanderzusetzen.

Eröffnung mit festlichen Klängen

Den Auftakt des Abends bildeten zwei festliche Werke, die das Publikum auf Mahlers Klangsprache vorbereiteten. Zu Beginn erklang die „Liberty Fanfare“ von John Williams. Die Fanfare, die ursprünglich zur Restaurierung der Freiheitsstatue in New York komponiert wurde, brachte die große Energie und den feierlichen Charakter des Abends in die Konzerthäuser. Ein besonderes Highlight: Die Trompeterinnen und Trompeter platzierten sich links und rechts des Orchesters. So erklang die Fanfare in „Dolby Surround“ – aber natürlich ganz ohne technische Hilfsmittel.

Im Anschluss folgte ein weiteres beeindruckendes Stück: „Elsa’s Prozession in die Kathedrale“ aus Richard Wagners Oper „Lohengrin“. In dieser Transkription von Lucien Cailliet für Blasorchester entfaltete sich Wagners festliche Musik in voller Schönheit. Die Musiker des Orchesters spielten mit Hingabe und Klarheit, um die feierliche Atmosphäre der Prozession eindrucksvoll widerzuspiegeln. Besonders bemerkenswert war die präzise Umsetzung von Wagners komplexer Harmonik und der majestätischen Stimmung des Werkes. Schon nach den ersten beiden Werken wurde deutlich: Die beiden Blasorchester verschmolzen zu einem ausgewogenen Klangkörper. Dirigent Johann Mösenbichler verstand es eindrucksvoll, aus den ambitionierten Musikerinnen und Musikern das Beste herauszukitzeln. Die Vorfreude auf das ersehnte Hauptwerk des Abends war deutlich spürbar.

Mahlers Auferstehungssinfonie: Ein episches Meisterwerk

Daraufhin folgte der Höhepunkt des Abends: die Aufführung von Mahlers Auferstehungssinfonie – auch bekannt als Sinfonie Nr. 2 in c-Moll. Diese Sinfonie, die zu den größten und bewegendsten Werken der spätromantischen Sinfonik zählt, stellt Tod, Auferstehung und Erlösung in den Mittelpunkt. In der Fassung für Blasorchester, arrangiert von Florian Möseneder, eröffnete sich eine klangliche Dimension, die Transparenz und monumentale Wirkung eindrucksvoll verband.

Der dramatische und klanglich gewaltige erste Satz warf schon zu Beginn die tiefgründigen Fragen nach dem Sinn des Lebens auf. Die tiefen Bläser des Orchesters erzeugten eine spannungsgeladene Atmosphäre, die in den stürmischen Passagen eine nahezu greifbare Intensität erreichte. Während das musikalische Thema um die Frage nach dem Leben und dem Tod kreiste, stiegen zarte Melodien auf, die ein Gefühl der Hoffnung vermittelten – nur um von der düsteren Grundstimmung wieder verdrängt zu werden. Der zweite Satz, ein langsamer, lyrischer Ländler, präsentierte eine ganz andere Seite Mahlers. Hier, in einer ruhigeren und besinnlicheren Melodieführung, tauchten die Zuhörer in eine beinahe traumhafte Idylle ein, die jedoch durch unruhige Triolenbewegungen und Mollharmonien immer wieder in Frage gestellt wurde.

Der dritte Satz, eine groteske Darstellung des Lebens, das Mahler mit der Melodie seines Wunderhorn-Liedes „Die Fischpredigt des Hl. Antonius“ verknüpfte, zeichnete das Bild eines chaotischen, unschönen Lebens. Der Satz steigerte sich zu einem dramatischen Höhepunkt und spiegelte Mahlers innere Auseinandersetzung mit den dunklen Aspekten des Lebens wider. Der vierte Satz, das Urlicht, mit der Alt-Solistin Isabell Czarnecki, war ein Moment der Besinnung. Die Schlichtheit und Ehrlichkeit der Musik, kombiniert mit der sanften, aber tief emotionalen Stimme der Solistin, vermittelte eine beruhigende Stimmung und leitete das Werk auf den letzten Satz hin.

Das großartige Finale zeigte dann die ganze Klanggewalt, die die 250 Mitwirkenden auf die Bühne brachten. Einige Orchestermitglieder hatten in diesem Satz eine besondere Aufgabe: Sie verließen in Windeseile die Bühne, um im Fernorchester in einem Nebenraum unter der Leitung der Dirigentin Tanja Berthold zu musizieren. Berthold hielt Sichtkontakt zu Mösenbichler und sorgte so dafür, dass beide Orchester trotz räumlicher Trennung miteinander erklangen. Der fünfte Satz, der in der Frage nach Erlösung und Auferstehung gipfelt, bot schließlich eine überwältigende musikalische Darstellung des Triumphs über den Tod. Die Chorsängerinnen und -sänger setzten zu einer mächtigen Reprise an, die von den Solistinnen Yoonsoo Shin (Sopran) und Isabell Czarnecki (Alt) begleitet wurde, bevor das Orchester mit einer euphorischen Wucht die endgültige Vision der Auferstehung zum Leben erweckte. Der dramatische Ausbruch des Orchesters wurde durch den Klang von Glocken verstärkt und untermauerte den Schlusspunkt des Werkes.

Mahler in der Blasorchester-Fassung

Eine Mahler-Sinfonie gespielt von einem Blasorchester? Das ist außergewöhnlich, aber funktioniert – unter der Voraussetzung, dass die musikalischen Emotionen nicht verloren gehen. Und das ist dem Orchester, den Chören und den Solistinnen perfekt gelungen. Dirigent Johann Mösenbichler zieht ein Fazit: „Natürlich klingt es anders – vor allem wenn man auf einen Symphonieorchesterklang eingehört ist – die Emotionen wurden aber bestens transportiert, wie auch im Nachhinein vom Konzertpublikum festgestellt. Dadurch konnte sich das Ohr schon nach kurzer Zeit an die wunderbaren Bläserklänge gewöhnen.“

Ein unvergessliches Erlebnis für alle Mitwirkenden

Das Nordbayerische Jugendblasorchester, das Orchester WiBraPhon, die Chöre sowie beide Solistinnen zeigten mit ihrem Dirigenten bei allen drei Aufführungen eine außergewöhnliche Leistung. Besonders bemerkenswert war das Zusammenspiel zwischen den verschiedenen Ensembles, das die enorme Kraft und die feinen Nuancen von Mahlers Musik perfekt zur Geltung brachte. Die Orchester und Chöre setzten sich aus professionellen Musikerinnen und Musikern, Musikstudierenden sowie ambitionierten Laien zusammen. Das Werk wurde während drei intensiven Probenwochenenden gemeinsam erarbeitet. Dirigent Mösenbichler ist stolz auf sein Orchester: „Für mich ist es wieder einmal ein großer Beweis, wie leistungsfähig auch gute und sehr engagierte Amateurorchester sein können. Zudem hatten bei diesem Projekt sehr viele Musikerinnen und Musiker auf der Bühne die einmalige Chance dieses Meisterwerk überhaupt aktiv aufführen zu können.“ Das kann auch Klarinettistin Theresa bestätigen: „Diese Sinfonie zu spielen ist etwas Besonderes. Wenn dann noch die komplett neue Besetzung und das dadurch neue Klangerlebnis dazukommen, macht es das zu einem einmaligen musikalischen und emotionalen Erlebnis.“

Auch NBMB-Präsident Manfred Ländner MdL a.D. war begeistert: „Ein großartiges Erlebnis und ein tolles Zeichen für Engagement und Leistungsfähigkeit der Laienmusik. Meinen aufrichtigen Dank an alle Akteure sowie an die Zuschussgeber und die Verantwortlichen für die Organisation, allen voran unserer Geschäftsstelle, ohne die ein solches Großprojekt nicht möglich wäre.“ Die Auferstehungssinfonie war ein unvergessliches Highlight für das Publikum, das die Musikerinnen und Musiker bei jedem Konzert mit Standing Ovations belohnte – und in der Blasorchester-Fassung ein Leuchtturm-Projekt, das weit über Nordbayern hinaus für Aufmerksamkeit sorgte.

Das Nordbayerische Jugendblasorchester und das Orchester WiBraPhon bildeten nicht nur im Trompetensatz einen gemeinsamen Klangkörper.

2025 Sommer

NBJBO begeistert mit „Sound. Spirit. Shades.“

Energiegeladene Abschlusskonzerte in Würzburg und Bamberg mit einem stilistisch breiten Programm

Text: Julia Maget

Das Nordbayerische Jugendblasorchester begeistert mit zwei ­energiegeladenen Abschlusskonzerten in Würzburg und Bamberg unter dem Motto »Sound.Spirit.Shades.«.

Über 70 junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Nordbayern und darüber hinaus bildeten in dieser Sommerarbeitsphase das klanggewaltige Nordbayerische Jugendblasorchester. Unter der künstlerischen Leitung von Franco Hänle wurde die Probenwoche in Hammelburg mit zwei mitreißenden Abschlusskonzerten im großen Saal der Hochschule für Musik Würzburg und im Joseph-Keilberth-Saal in Bamberg gekrönt.

Eröffnet wurde der Abend mit Johan Halvorsens »Entry March of the Boyars« in der Bearbeitung von Frederick Fennell – ein feierlicher Marsch mit folkloristischen Klängen, der die Spielfreude des Abends bereits zu Beginn spürbar machte. Im Anschluss präsentierte das Orchester mit »Danse Funambulesque« (übersetzt: Seiltanz) von Jules Strens eines der Hauptwerke des Abends – ein packender musikalischer Drahtseilakt voller Rhythmus, Energie und Spannung. Statt lyrischer Melodien dominierten scharfe Klangfarben und tänzerische Virtuosität. Kontrastreiche Wechsel in Dynamik, Tempo und Charakter machten das von Gert D. Buitenhuis für Blasorchester arrangierte Stück zu einem frühen Höhepunkt des Programms. Einen atmosphärischen und klanglichen Kontrast bildete anschließend »Transcending« von Christopher Marshall, mit welchem das Publikum auf eine meditative Klangreise entführt wurde. Inspiriert vom Rauschen der Wellen, erzeugen überlagerte Akkordfolgen stetig neue Klangzustände – eine Musik zwischen Ruhe und Bewegung, Spannung und Loslösung. Anschließend präsentierte das Orchester mit »Gloriosa« ein zentrales Werk des Abends, das das frühe Christentum in Japan und den kulturellen Konflikt zwischen West und Ost thematisiert. Inspiriert von Liedern der Kryptochristen aus Kyushu, beginnt der erste Satz mit gregorianischem Gesang und Glockenklängen, die das stille Gebet und Leiden der Verfolgten symbolisieren. Der zweite Satz verbindet westliche und fernöstliche Klänge, geprägt von einem Piccoloflöten-Solo – welches die japanische Ryuteki-Flöte imitiert – und der traditionellen Melodie »San Juan-sama no Uta«. Das Finale entfaltet sich als feierliches, triumphales Ende mit der Melodie »Nagasaki Bura Bura Bushi« in großer klanglicher Strahlkraft.

Rhythmische Präzision und Spielfreude

Nach der Pause eröffnete Percy Aldridge Graingers »Shepherd’s Hey« (Arrangement: Larry Clark) den zweiten Konzertteil mit tänzerischer Leichtigkeit. Basierend auf einer englischen Volksweise des Morris-Tanzes, brachte das Orchester die folkloristischen Elemente mit rhythmischer Präzision und Spielfreude zum Ausdruck. Einen weiteren Höhepunkt des Programms bildete »Twist« von Jodie Black­shaw. Die australische Komponistin war bei den Konzerten persönlich anwesend und begleitete das Orchester bereits bei der Generalprobe in einem Workshop. Ihre inspirierende Ausstrahlung und Nähe zum Ensemble wirkten spürbar motivierend und prägten die Aufführung ihres Werks. »Twist« erzählt in sechs eindrucksvollen Abschnitten die Geschichte des Murray Rivers in Australien. Der kraftvolle Auftakt greift die Traumzeit-Legende vom gierigen Frosch Tiddalick auf – tiefe Klänge und Percussion lassen seine zerstörerische Macht hörbar werden. Sanfte Flöten und das Vi­brafon malen danach ein schimmerndes Bild des Flusses bei Sonnenauf- und -untergang. Mit festlichen Bläsern und pulsierendem Rhythmus kündigt sich die Ankunft von europäischen Siedlern und Dampfschiffen an, eingeleitet vom markanten Ruf der Kookaburras – nachgeahmt von der Trompetensektion. Es folgen nächtliche Klangbilder des australischen Buschs, ein verruchter Tango aus dunklen Saxofontönen, und schließlich ein lebensfroher Tarantella-Rhythmus, der den kulturellen Einfluss italienischer Einwanderer feiert. Am Ende schließt sich der Kreis – das Eingangsmotiv kehrt zurück und ruft dazu auf, über den Schutz dieses einzigartigen Flusses und seine Bedeutung für Mensch und Natur nachzudenken. Mit »Blue Shades« von Frank Ticheli widmete sich das Orchester anschließend einem Werk, das stilistisch stark vom Blues beeinflusst ist. Charakteristisch sind die durchgehende Verwendung von Blue Notes, typischen Blues-Harmonien, rhythmischen Strukturen und melodischen Wendungen. Dabei entfaltet das Werk eine Vielzahl an »Blautönen« – von hell und verspielt bis hin zu düster und rau. Besonders eindrucksvoll war der ruhige Mittelteil, der die Atmosphäre eines verrauchten Bluesclubs einfing. Ein expressives Klarinettensolo in Anlehnung an Benny Goodman – gespielt von der Konzertmeisterin Melina Weiß – leitete schließlich über in klagende Blechbläserakkorde, die an die Zugpfeifen­effekte der Big-Band-Ära erinnerten. Den stimmungsvollen Abschluss des Abends bildete ein sinfonisches Porträt der Beatles in einem Arrangement von Guido Rennert. Bekannte Melodien wie »Hey Jude«, »Yesterday« oder »Penny Lane« wurden in facettenreichen Orchesterklängen neu erzählt – eine gelungene Brücke zwischen Generationen und Genres. Das Publikum zeigte sich begeistert und belohnte das Orchester mit lang anhaltendem Applaus.

Dieses abwechslungsreiche Programm verleitete die Besucherinnen und Besucher beider Konzerte zu Standing Ovations und der ein oder anderen Nachfrage, wie es möglich sei, solche Energie in ein Orchester zu bekommen. Wer das NBJBO und seine Energie ebenfalls live erleben möchte, ist herzlich eingeladen, zu einem der nächsten Konzerte zu kommen.

Außerdem sucht das NBJBO immer motivierte junge Musikerinnen und Musiker zwischen 15 und 27 Jahren, die Teil dieses wunderbaren Orchesters werden wollen. Alle Informationen zur Bewerbung und weitere Informationen zum NBJBO gibt es im Kurs-Finder unter www.kurs-finder.de , auf www.nbmb.de oder auf Social Media @nbjbo.

2025 Frühjahr

NBMB und Nordbayerische Bläserjugend auf der akustika 2025

Messestand, Konzertprogramm, Komponisten-Treff und Uraufführung von „Tara und die Instrumenteninsel“

Text: Ines Scheuring

Auch 2025 fand wieder die Musik-Messe »akustika« im Nürnberger Messezentrum statt. Im Fokus stand wie in den vergangenen Jahren das Instrumentenbau-Handwerk. Die beiden nordbayerischen Verbände waren ebenfalls mit Messeständen und Konzerten dabei. Besondere Highlights waren in diesem Jahr der Komponisten-Treff und die Uraufführung von »Tara und die Instrumenteninsel«.

Rund 10 100 Interessierte besuchten die »akustika« an den drei Messetagen Anfang April. Neben über 230 internationalen Ausstellern aus dem Instrumentenhandwerk waren auch Musikverlage sowie ­Bildungseinrichtungen auf der Messe vertreten. Auch der Nordbayerische Musikbund und die Nordbayerische Bläserjugend präsentierten sich wieder mit einem großen Messestand auf der Ebene 3. Hier konnten sich Interessierte über die beiden Verbände informieren sowie die Instru­men­ten-Aufkleber und -Tattoos ausprobieren. Ehrenamtliche Funktionärinnen und Funktionäre der beiden Verbände sowie Mitarbeitende aus der Geschäftsstelle standen für Fragen und Gespräche zur Ver­fügung. Besonderes Highlight am Messestand waren die Foto-Box und die Liegestühle, mit denen man eine kurze Auszeit vom Messe-Trubel genießen konnte. Neu in diesem Jahr war ein zweiter Messestand, der sich komplett dem NBMB-Kinderkonzert »Tara und die Instrumenteninsel« widmete. Hier konnten die Messebesucher am Glücksrad drehen und tolle Kleinigkeiten gewinnen und bekamen einen Einblick in die Musik und den Animationsfilm zum Kinderkonzert.

Konzerte der NBMB-Orchester auf zwei Bühnen

Der Nordbayerische Musikbund gestaltete außerdem in weiten Teilen das Konzertprogramm auf den beiden Hauptbühnen der Messe auf der Ebene 0. Die »Allegro-Stage« wurde am Freitag von der inklusiven Blaskapelle der Lebenshilfe Augsfeld eröffnet. Daraufhin musizierte das Seniorenblasorchester des NBMB-Bezirks Unterfranken. Im Laufe des Wochenendes waren dann viele Kreis- und Bezirksorchester des NBMB zu Gast, und auch das Heeresmusikkorps Veitshöchheim, ein professionelles Blasorchester, gab ein Konzert auf der Messe. Natürlich musizierten auch die beiden Auswahlorchester des Verbandes, das Nordbayerische Jugendblasorchester sowie die Nordbayerische Brass Band. Ergänzt wurde das Konzertprogramm durch das Orchester WiBraPhon sowie das Klarinettenorchester Unterfranken – ein außergewöhnlicher Klangkörper, der nur selten zu hören ist.

Uraufführung des neuen Kinderkonzerts »Tara und die Instrumenteninsel«

Ein besonderer Höhepunkt am Messe-Samstag war die Uraufführung des Kinderkonzerts »Tara und die Instrumenteninsel« mit dem Nordbayerischen Jugendblas­orchester unter der Leitung von Franco Hänle. In einer fantasievollen Geschichte rund um das neugierige Mädchen Tara bringt das Konzert den jungen Zuhörerinnen und Zuhörern spielerisch die Welt der Blasinstrumente näher. Zum Kinderkonzert, das vom NBMB in Auftrag gegeben wurde, gehört ein Animationsfilm mit bunten Illustrationen. Der Zeichner Rupert Hörbst war genauso wie »Tara«-Komponist Mathias Wehr bei der Uraufführung dabei. Dass das Interesse an diesem neuen Projekt des NBMB groß war, zeigte der Zuspruch bei der Uraufführung: Der Zuschauerraum vor der »Allegro-Stage« reichte kaum aus, um allen Interessierten aus Musikvereinen und Orchestern Platz zu bieten. (Foto) Unter den Konzertgästen waren aber auch Kinder, die von der ersten Reihe aus der Musik sowie dem Animationsfilm aufmerksam folgten. Sowohl das junge als auch das erwachsene Publikum war begeistert und belohnte das Orchester sowie den Komponisten mit langem Applaus. Mathias Wehr freute sich: »Es ist immer ganz besonders, eine Komposition zum ersten Mal live zu hören. Vielen Dank an das Nordbayerische Jugendblasorchester und an Franco Hänle für die tolle Interpretation meines Kinderkonzerts!«

15 namhafte Komponisten stellen ihre neuen Werke vor

Neu war in diesem Jahr der Komponisten-Treff, den der NBMB gemeinsam mit Ale­xandra Link vom Blasmusikblog konzipiert und organisiert hatte. 15 renommierte und international bekannte Komponisten aus der Blasmusik stellten im Rahmen von Komponistenporträts und Reading-Sessions ihre neuesten Werke vor. Thomas Asanger, Jacob de Haan, Gauthier Dupertuis, Hubert Hoche, Nelson Jesus, Peter Kleine Schaars, Gerald Oswald, Bart Picqueur, Marco Pütz, Georges Sadeler, Otto M. Schwarz, Andreas Simbeni, Dominik Wagner, Mathias Wehr und Andreas Ziegelbäck waren vertreten und standen für persönliche Gespräche sowie Fragen zur Verfügung. In den Reading-Sessions präsentierten sie mit unterschiedlichen Orchestern – dem Kreisorchester Bamberg, dem Heeresmusikkorps Veitshöchheim, WiBraPhon und dem Kreisorchester Lichtenfels – ihre neuen Werke. Das Besondere: Messebesucher konnten sich einfach ins Orchester setzen und selbst mitspielen. Diese innovativen Formate stießen auf reges Interesse bei Fachpublikum, Musikern und Kompositionsbegeisterten.

2024 Sommer

Eine Reise in den Olymp und mit dem Drachen bis nach Las Vegas

Das NBJBO begeistert in Marktredwitz und Bamberg mit zwei energiegeladenen Abschlusskonzerten

Text: Anna Heuschmann

Das Nordbayerische Jugendblasorchester begeistert mit zwei energiegeladenen Abschlusskonzerten in Marktredwitz und Bamberg.

Über 70 junge Musikerinnen und Musiker aus ganz Nordbayern und darüber hinaus bildeten in dieser Sommerarbeitsphase das klanggewaltige Nordbayerische Jugendblasorchester. Unter der künstlerischen Leitung von Franco Hänle wurde die Probenwoche in Hammelburg mit zwei mitreißenden Abschlusskonzerten Mitte September in der Stadthalle Marktredwitz und im Joseph-Keilberth-Saal in Bamberg gekrönt.

Begonnen hat der Abend mit »El Cano«, einem spanischen Paso doble – majestätisch von den Blechbläsern eröffnet und geprägt von rhythmischen, lebhaften Melodien, gab das Stück dem Publikum gleich zu Beginn einen Eindruck von der Spielfreude, die sie auf der Bühne noch erwarten konnten. Den Blechbläsern wurde ebenfalls die Ehre zuteil, markant in die Ouvertüre zur »Leichten Kavallerie« zu starten. Das Eröffnungsstück dieser Operette ist ein klassisches Meisterwerk von Franz von Suppé, das in der Bearbeitung von Wil van der Beek zur Aufführung kam. Mit den ständigen kontrastreichen Wechseln in Dynamik, Tempo und Charakter präsentierte das Orchester mit diesem Stück eine ganz andere Seite der sinfonischen Blasmusik und zeigte bravourös die ganze Bandbreite des Orchesterklangs. Anschließend ging es auf den griechischen Olymp zum Hauptwerk des diesjährigen Konzertprogramms: Óscar Navarro vertont mit seiner zehnsätzigen Suite alle zwölf Gottheiten des Olymp. Eingeleitet von Donnergrollen ließ das NBJBO die einzelnen Götter für die Zuhörer förmlich sichtbar werden. Götterbote Hermes etwa schwebt mühelos umher, zwischendurch geht es in die Unterwelt, Poseidon erhebt sich aus den Fluten, Hephaistos wird durch Ambosse angekündigt, und zum krönenden Abschluss werden Zeus und Hera auf ihrem Thron in den Saal getragen. Ein mächtiges Werk, gespickt mit Solopassagen und einer Klanggewalt, die von den über 70 Musikerinnen und Musikern auf der Bühne zelebriert wurde.

Nach der Pause wurde das Publikum mit »Through the Looking Glass« wieder in die wunderbare Welt der sinfonischen Blasmusik entführt. Ein Eröffnungsstück, angelehnt an die Fortsetzung von »Alice im Wunderland«, das in magischer Atmosphäre den Zugang zum Wunderland vertont. Einmal in dieser Welt angelangt, hielt das NBJBO das Publikum direkt fest, und vielen war wohl schon nach den ersten Akkorden klar, mit welchen Fabelwesen das Orchester nun unterwegs war: »How to train your Dragon«. Das Orchester nahm das Publikum mit in die abenteuerliche Welt des gleichnamigen Films, und die Klänge der Filmmusik, mal episch, dann dramatisch, sanft oder gefühlvoll, holten auch den letzten Zuschauer in den Konzertsälen ab. Ein ganz anderer Film lief dann während des letzten Stücks vor den Augen aller Anwesenden ab: »Godzilla eats Las Vegas«. Eric Whitacre vertont hier einen fantasievollen Horrorfilm über das bekannte Ungeheuer – und dieses wurde auch hör- und sichtbar. Das Orchester lud nach Las Vegas ein: Bands spielen und die Stadt des Glücksspiels ist ganz in ihrem Element. In rasant wechselnden Szenen wird dann aber schnell klar, dass Gefahr droht. Godzilla beginnt seine Zerstörungstour durch die Stadt, es gibt Schreie, das Ungeheuer trampelt alles kaputt, und es wird immer chaotischer. Nicht einmal ein Hund kann entkommen. Dann beginnt das Orchester zu marschieren, denn in der Ferne taucht eine furchtlose Armee an Elvissen auf, die zum Kampf ansetzen. Man hört Bomber und Raketen durch den Saal fliegen, doch Godzilla lebt weiter. Er verliebt sich in eine Sphinx, und angeführt von Klarinettenklängen tanzen die beiden Tango. Das gibt der Armee Zeit, sich wieder zu formieren und einen neuen Angriff zu wagen – diesmal erfolgreich. Das muss gefeiert werden: Jubel, Sektgläser klirren und Luftschlangen fliegen – Godzilla ist besiegt. Oder doch nicht? Das Gebrüll des Reptils erklingt plötzlich wieder im Orchester. Doch das Ende lässt erahnen, dass alles nur eine Show war. Dieses abwechslungsreiche Programm verleitete die Besucher beider Konzerte zu minutenlangen Standing Ovations und der einen oder anderen Nachfrage, wie es möglich sei, solche Energie in ein Orchester zu bekommen.

Wer diese Energie ebenfalls oder nochmals erleben möchte, ist herzlich zu den nächsten NBJBO-Konzerten eingeladen. Die Musiker freuen sich auf zahlreiches Publikum!

Außerdem sucht das NBJBO immer motivierte junge Musikerinnen und Musiker zwischen 15 und 27 Jahren, die Teil dieses wunderbaren Orchesters werden wollen. Alle Informationen zur Bewerbung sowie weitere Infos zum NBJBO gibt es im Kurs-Finder, auf www.nbmb.de oder auf Social Media unter @nbjbo.

2024 Frühjahr

NBJBO begeistert das Publikum auf der akustika in Nürnberg

Frühjahrsprojekt mit Gastdirigent Timor Oliver Chadik und Solist Alexander Wurz

Text: Jonas Lerche

Wie schon im vergangenen Jahr trafen sich rund 60 musikalische Nachwuchstalente aus dem gesamten nordbayerischen Gebiet, um ein Konzertprogramm für die »akustika« in Nürnberg einzustudieren. Mit insgesamt über 20 neuen Musikerinnen und Musikern stand ein größtenteils neu formiertes Nordbayerisches Jugendblasorchester auf der Bühne. In zwei Wochenenden voller Proben hatte sich das Orchester allerdings schnell zu einem harmonischen Klangkörper zusammengefunden, der bei den beiden Konzerten auf der Musikmesse zu überzeugen wusste.

Ein weiteres neues Gesicht gab es am Dirigentenpult zu bestaunen: Als Gastdirigent leitete Oberstleutnant Timor Oliver Chadik das Orchester durch das Konzert. Chadik ist seit 2015 musikalischer Leiter der Big Band der Bundeswehr. Er hatte das Orchester sehr gut im Griff und schuf in dem recht kleinen Konzertsaal der Messe eine gute klangliche Balance. Die Harmonie zwischen Dirigenten und Orchester stimmte also.

Mit »Slava!« von Leonard Bernstein eröffnete das Auswahlorchester rasant und spielfreudig die beiden Konzerte. Dieses Werk, das Bernstein einem Freund mit dem Spitznamen Slava widmete, versprüh­te sofort gute Laune unter den Musikern, was sich auf die Zuhörer übertrug. Nach dem gelungenen Start übernahmen die beiden Orchestermitglieder Monika Herbst und Paul Amthor das Wort und führten als Moderatoren die Zuhörer souverän und humorvoll durchs Programm. Danach ging es bei »Hymn of the Highlands« von Philip Sparke mit schottischen Klängen weiter. Dieses Werk besteht aus drei Sätzen und beinhaltet viele schottische Melodien wie das bekannte Thema aus »Highland Cathedral«.

Von den schottischen Highlands ging es mit einem weiteren musikalischen Highlight weiter. Der renommierte Tenorhornist Alexander Wurz war als Solist zu Gast und begeisterte mit seiner exzellenten Darbietung von »Pantomime« das Publikum. Dies sollte jedoch nicht das letzte Mal sein, dass die Konzertbesucher den Solisten zu hören bekamen.

Ein weltbekanntes Musical von Andrew Lloyd Webber war der nächste Programmpunkt: Bei dem von Johan de Meij arrangierten Medley spielten die Musiker die bekanntesten Songs aus »Phantom der Oper«. Der schrille Schrei der Hauptfigur Christine, der aus dem Orchester ertönte, sorgte als kleine Showeinlage für große Erheiterung unter den Zuhörern.

Doch das war nicht das einzige Musical, das bei den Konzerten präsentiert wurde. Die von Frederick Loewe und Alan Jay Lerner für Blasorchester arrangierte Version von »My fair Lady« beendete den offiziellen Teil der beiden Konzerte. Zum Schluss kam nochmals Solist Alexander Wurz auf die Bühne und verabschiedete sich zusammen mit dem Nordbayerischen Jugendblasorchester mit der locker-virtuosen ­Zugabe »Hot Canary« vom sichtlich entzückten Publikum auf der »akustika« in Nürnberg.

2023 Sommer

„Bombastischer“ Abschluss der Sommerphase 2023

Franco Hänle und das NBJBO setzen mit Hell and Heaven, Samurai und Keen on Queen starke Akzente

Text: Anna Heuschmann

»Bombastisch« – das Wort, das wohl den meisten Konzertbesuchern und Musikern am ehesten auf der Zunge lag, wenn man sie nach einer Einschätzung des Konzerterlebnisses in Bad Kissingen oder Bamberg Mitte September fragte. Eingeführt vom fantastischen Moderations-Duo der Konzerte Monika Herbst und Jonas Bohlein, die mit diesem Wort das Hauptwerk des Abends »Hell and Heaven« ankündigten, festigte sich diese Beschreibung im Laufe des Abends dann bei allen Anwesenden. Das 76-köpfige Orchester unter der Leitung von Franco Hänle überzeugte mit dem vollen Klangspektrum eines sinfonischen Blasorchesters und purer Spielfreude, die anschließend eben nur die eine Beschreibung zuließ: »bombastisch«.

Traditionell versammelte sich das Nordbayerische Jugendblasorchester in der letzten Augustwoche in der Bayerischen Musikakademie Hammelburg, um mit dem diesjährigen Gastdirigenten Franco Hänle ein spannendes und abwechslungsreiches Programm zu erarbeiten. In einer intensiven Woche wurde in Registerproben bei namhaften Dozenten und etlichen Stunden konzentrierter Tuttiproben die Grundlage für das bevorstehende Konzertwochenende gelegt. Zudem galt es, die phänomenale Orchesterbesetzung von über 70 jungen Musikerinnen und ­Musikern mit mehr als 20 neuen, hoch ­motivierten Mitgliedern musikalisch und menschlich zu einem Orchester zu vereinen. Deshalb durften die außermusikalischen Aktivitäten ebenfalls nicht zu kurz kommen.

Daneben musste man sich auch in diesem Jahr wieder von einigen Orchestermitgliedern verabschieden, die die Altersgrenze eines Jugendblasorchesters erreicht hatten. Diesen Musikerinnen und Musikern wurde in einem orchesterinternen, feierlichen Rahmen ein Dankeschön für viele Jahre Orchestermitgliedschaft und großartige gemeinsame Erlebnisse und Erfahrungen ausgesprochen. Noch war die gemeinsame Orchesterzeit aber glücklicherweise nicht ganz zu Ende, denn das Konzertwochenende stand erst noch bevor.

Knapp zwei Wochen später traf man sich also in Bad Kissingen wieder, um das Programm ein letztes Mal zu proben, bevor es damit auf die Bühne ging. Am Samstagabend im Regentenbau in Bad Kissingen und am Sonntagvormittag im Hegelsaal in Bamberg konnte das NBJBO dann prä­sentieren, was als »bombastisch« beschrieben wurde: Eröffnet wurde der Abend mit der lockeren Suite »Les Chasseresses« (deutsch: die Jägerinnen) aus dem Ballett »Sylvia« von Léo Delibes. Das eingängige Jagdmotiv der Hörner und Saxofone zog sich durch das gesamte Stück und blieb wohl nicht nur dem Moderator auch nach dem letzten verklungenen Ton als Ohrwurm erhalten.

Dieser wurde jedoch mit der Ouvertüre zur Operette »Dichter und Bauer« von Franz von Suppé direkt wieder verdrängt. Das Arrangement von Roger Niese bleibt sehr nah am Original für Sinfonieorchester, und so konnten die Zuhörer zum ersten Mal das Cello-Register bestaunen, das mit dem bekannten Solo der Ouvertüre mit wundervoller Harfenbegleitung brillieren konnte. Daneben überzeugten filigrane Holzbläserpassagen und zahlreiche furiose Tutti-Abschnitte sowie das feine Zusammenspiel von Orchester und Dirigent, das stets dem musikalischen Fluss diente und das Konzert spätestens jetzt vollständig für eröffnet erklärte.

Musikalischer Kampf zwischen Gut und Böse im Hauptwerk »Hell and Heaven«

Die Einstimmung des Publikums auf den thematischen und stilistischen Sprung zum Hauptwerk »Hell and Heaven« von Óscar Navarro meisterte das Moderations-Duo hervorragend. »Gibt es ein Jenseits? Was geschieht mit der Seele, wenn sie den Körper eines Menschen verlässt? Gibt es Himmel und Hölle? Diese und Hunderte Fragen haben die Menschen seit Tausenden Jahren beschäftigt. Fragen, auf die es auch heute noch keine Antworten gibt und die uns bis ans Ende unserer Tage beschäftigen werden.« Das schreibt der Komponist in der Partitur, und so schickt er die Seele auf eine musikalische Reise. Nach dem Ableben zu Beginn des Stückes beginnt ein Kampf zwischen Gut und Böse. Die Seele muss in die Hölle reisen und lernt den Himmel kennen. Auf diese Reise nahm das NBJBO das Publikum mit – das knapp halbstündige Werk verging wie im Flug. Von leise bis laut, alle In­strumente des sinfonischen Blasorchesters, Kontrabass, Cello, Harfe, Klavier und Orgel – dieses Werk verlangte dem Orchester alles ab. Der wilde Kampf zwischen Gut und Böse entfachte eine unfassbare Energie auf der Bühne, die sich auf die Zuhörer übertrug, und die musikalische Antwort auf die Fragen des Komponisten wurde gegeben: Es war wie angekündigt »bombastisch«.

Nach der Pause stimmte das Orchester das Publikum mit dem »Pomp and Circum­stance Militärmarsch Nr. 4« des britischen Komponisten Edward Elgar auf die zweite Konzerthälfte ein. Der feierliche Charakter des Marsches, kombiniert mit einer eingängigen, wunderschönen Melodie im Trio, machte Lust auf mehr und bildete thematisch einen schönen Übergang zum nächsten Werk. Vom britischen Militärmarsch ging es zu den japanischen Kriegern und Künstlern der Samurai. Das Werk von Nigel Clarke nahm das Publikum mit auf eine Reise in die Vergangenheit. Die eigens besorgten japanischen Trommeln bildeten eine der vertonten Signalmethoden der Samurai auf dem Schlachtfeld. Mit Fahnen und Trommeln wurden die einzelnen Einheiten der Armee identifiziert und vereint. Der ruhigere Mittelteil ließ das Publikum dann am buddhistischen Gebet teilhaben, in das die Samurai nach und nach einstiegen und das sich bis zum letzten Abschnitt steigerte, in dem die mächtigen Kriegstrommeln den finalen Angriff verkündeten.

Berauschende Energie zwischen Orchester und Publikum

Der offizielle Konzertteil wurde dann mit einem echten Publikumsliebling beendet: »Keen on Queen«. Mit dem Arrangement von Jörg Murschinski, das einige der bekanntesten Songs der britischen Rockband zu einem Medley vereint, zeigte sich das NBJBO von seiner rockigen Seite. Drumset, E-Gitarre, E-Bass und Kontrabässe führten das Orchester gekonnt und voller Hingabe durch das Werk. Getoppt mit weiteren solistischen Einwürfen spielte sich das Orchester in einen wahren Rausch, und das Publikum glaubte für einen Augenblick, die Songs nie anders gehört zu haben. So wurde das Orchester im Anschluss mit Standing Ovations und tosendem Applaus geradezu überrollt. Man hatte das Gefühl, die Zuhörer wollten die gesamte empfangene Energie des Konzerts wieder ans Orchester zurück­geben. Für die Musikerinnen und Musiker und ihren Dirigenten Franco Hänle war dies auf jeden Fall ein klares Zeichen, dass sich die Mühen der Vorbereitung mehr als gelohnt hatten.

Das musste das Orchester selbstverständlich mit zwei Zugaben belohnen, und so kamen für das Stück »Yagi-Bushi«, das auf einem japanischen Volkslied beruht, ein weiteres Mal die japanischen Trommeln zum Einsatz. »Nimrod« aus den »Enigma-Variationen« bildete einen ruhigen Abschluss, der Publikum und Orchester mit den wunderschönen, emotionalen und »bombastischen« Erinnerungen an die diesjährige Sommerphase in den Abend entließ. Das Nordbayerische Jugendblasorchester möchte sich auf diesem Wege nochmals beim Publikum und seinem diesjährigen Gastdirigenten Franco Hänle herzlich für ein »bombastisches« Erlebnis bedanken.

Junge Musikerinnen und Musiker, die ebenfalls Teil des NBJBO werden möchten, sind jederzeit herzlich willkommen. Inte­ressierte bis zum vollendeten 27. Lebensjahr, die Lust auf hochkarätige Musik und Kontakt mit vielen Gleichgesinnten haben, finden auf der Webseite des Orchesters www.nbjbo.de und den zugehörigen Social-Media-Kanälen alle Information rund um die Bewerbung.

2023 Frühjahr

Beeindruckendes Projekt von NBJBO und WiBraPhon

Gemeinschaftsphase unter Leitung von Prof. Johann Mösenbichler mit zwei herausragenden Konzerten

Text: Martin Hommer

Der März hielt im Nordbayerischen Musikbund einen ganz besonderen musikalischen Genuss bereit: Ein Gemeinschaftsprojekt des Nordbayerischen Jugendblasorchesters mit dem Projektorchester WiBraPhon unter der Leitung von Prof. Johann Mösenbichler.

Knapp 80 Musikerinnen und Musiker, nur drei Wochenend-Probenphasen, zwei herausragende Konzerte – das war das Projekt »Musik im Einklang«, das Mitglieder des Nordbayerischen Jugendblasorchesters und des Projektorchesters WiBraPhon unter der Leitung von Prof. Johann Mösenbichler zusammenführte. Das Ergebnis dieses selten zu hörenden Gemeinschaftsprojekts war herausragend, wie auch das Programm: Neben hochkarätigen (eher) unterhaltenden Werken wie John Williams’ »The Cowboys« oder das Hauptthema aus »Star Wars«, dem immer wieder beeindruckenden »Godspeed!« von Stephen Melillo oder »A Choral for a Solemn Occasion« von Marc van Delft zeigte das Orchester bei James Barnes’ 3. Symphonie op. 89 »Die Tragische«, wozu ein richtig ­gutes Blasorchester fähig ist. Nicht vergessen werden darf die »Fanfare of the Universe« des jungen österreichischen Komponisten Siegmund Andraschek, mit der das Projekt­orchester das Konzert in Bad Kissingen eröffnete.

Nur zweimal war das Orchester zu hören: einmal im Rahmenprogramm der neuen Nürnberger Musik-Messe – hier mit einem unterhaltenden Programm –, einmal im Regentenbau Bad Kissingen. Der Max-Littmann-Saal zählt zu den besten Konzert­sälen in Europa, dürfte aber heutzutage selten Schauplatz so ernsthafter und tiefgründiger Musik sein wie beim Konzert des NBJBO-WiBraPhon-Gemeinschaftsprojekts. Das Konzert weniger als »spektakulär« zu nennen, wäre eine unzulässige Untertreibung. Prof. Johann Mösenbichler schuf innerhalb kürzester Zeit einen einzigartigen Klangkörper. Sicher ist es dabei hilfreich, dass in beiden Orchestern lauter Ausnahmekönner spielen, eine Geling-­Garantie ist das aber nicht. Es schadet ­sicher auch nicht, dass viele WiBraPhon-Mitglieder früher im NBJBO gespielt haben und die musikalische »DNA« des Orchesters weiterhin in sich tragen.

Mösenbichler lobte in einem kurzen Schlusswort das Orchester völlig zurecht und wies die Zuhörer darauf hin, dass die Zukunft der Blasmusik im nordbayerischen Raum auf der Bühne sitze, denn die Musikerinnen und Musiker würden nach der Projektphase in ihre Heimatkapellen zurückgehen und dort als Multiplikatoren viel Positives bewirken.

Es ist zu hoffen, dass das Projekt »Musik im Einklang« nicht das letzte seiner Art gewesen ist, denn es wäre wirklich schade, ein solches Potenzial nicht abzurufen. Die Musikerinnen und Musiker waren bei Prof. Mösenbichler offensichtlich in den besten Händen – er leitet üblicherweise das Orchester WiBraPron und ist neben seinen musikalischen Fähigkeiten einer, der die Menschen begeistern kann. Erst einmal geht es aber für beide Orchester »solo« weiter. Das NBJBO ist Mitte September zu hören, WiBraPhon Mitte November.

2022 Sommer

Ein Jahreshighlight jagt das nächste beim NBJBO

Sommerphase in Hammelburg mit Abschlusskonzerten in Neumarkt und Bamberg

Text: Anna Heuschmann und Marina Hettrich

Einen knappen Monat nach der Konzertfahrt nach Innsbruck, über die bereits berichtet wurde, traf sich das NBJBO wieder zu seiner jährlichen Sommerphase in der Musikakademie Hammelburg. Den krönenden Abschluss einer ereignisreichen Arbeitsphase bildeten zwei Konzerte in Neumarkt und Bamberg.

Noch beflügelt von den Eindrücken aus Innsbruck versammelte sich das Nordbayerische Jugendblasorchester Ende August in der Musikakademie Hammelburg mit seinem musikalischen Leiter Bernhard Schlögl zu einer intensiven Woche voller Proben. Unter dem Dirigenten und zusätzlichen namhaften Dozenten wurde in Tutti- und Registerproben ein anspruchsvolles Programm erarbeitet. Neben den musikalischen Herausforderungen galt es auch, sich als Orchester neu zusammenzufinden, um sowohl während der Proben als auch außerhalb zu harmonieren. Denn als Jugendblasorchester mit Altersgrenze ist ein stetiger Wechsel unumgänglich, und so durfte das Orchester auch in diesem Jahr wieder zahlreiche neue, motivierte Gesichter in seinen Reihen begrüßen. Deshalb gab es neben täglich bis zu neun Stunden intensiver Probenarbeit noch andere gemeinschaftliche Programmpunkte, bei denen alle Musiker mit großem Einsatz dabei waren. Durch Aktivitäten wie einem Spielenachmittag mit traditionellen gemeinsamen Aktionen bis hin zu böhmischer Blasmusik am Abend konnte der Orchestergeist auch außerhalb der Proben weiterwachsen. Der Ansatz reichte ebenfalls noch für kammermusikalische Ensemblebeiträge, die orchester­intern am Samstagabend zum Besten gegeben wurden.

Sechs Klarinetten im Wert von über 32 000 Euro gestohlen

Überschattet wurde die Probenwoche von einem dreisten Diebstahl: Aus dem Probenraum des NBJBO wurden sechs Klarinetten im Wert von über 32 000 Euro gestohlen. Um zumindest den finanziellen Verlust der jungen Musiker etwas zu minimieren, startete das Orchester einen Spendenaufruf. Wer hierzu einen Beitrag leisten möchte, kann das gerne tun (Konto: Nordbayerischer Musikbund e. V., IBAN: DE02 7905 0000 0046 5732 00, Verwendungszweck: Klarinetten NBJBO).

Der Schock saß bei allen tief, aber das Orchester ließ sich nicht aufhalten: Das Konzertwochenende war geplant und die bereits investierte Arbeit wollte auf die Bühne und vor das Publikum gebracht werden. So wurde zwei Wochen nach der Probenwoche das Konzertwochenende Mitte September mit einer Generalprobe eingeläutet. Die steigende Spannung und die große Vorfreude erreichte ihren Höhepunkt in den beiden Konzerten im Reitstadel Neumarkt i. d. Oberpfalz sowie im Hegelsaal Bamberg. Dort konnte das NBJBO endlich das mühevoll einstudierte Konzertprogramm präsentieren, welches sich durch verschiedene Stilrichtungen und vielfältige Werke auszeichnete.

»Extreme Make-Over« von Johan de Meij als Konzerthöhepunkt

Eröffnet wurde der Abend mit Strauss’ Komposition »Feierlicher Einzug der Ritter des Johanniterordens«, gespielt von einem 14-köpfigen Blechbläserensemble mit Pauke. Danach trat das Orchester als Gesamtes auf die Bühne und gab das erste Hauptwerk »Lincolnshire Posy« von Percy Aldridge Grainger zum Besten, ein Blumenstrauß bestehend aus sechs einzelnen englischen Volksliedern, die der Komponist so originalgetreu wie möglich für sinfonisches Blasorchester vertonte. Herausfordernd war hierbei vor allem die Transparenz des Werks, das mit zahlreichen solistischen und kammermusikalischen Passagen gespickt ist. Der erste Konzertteil wurde dann mit »Yakka« von José Rafael Pascual-Vilaplana beschlossen. Der Paso Doble zeichnet sich vor allem durch die Leichtigkeit, die schwungvollen Melodien und Rhythmen aus und brachte spanischen Flair in die Konzertsäle.

»Aber es soll ein Weckruf sein, uns an ein bewusstes Leben zu erinnern und diese Botschaft auf der ganzen Welt zu verbreiten.« So zitierte Moderator Jonas Bohlein (Foto rechts), gleichzeitig Tubist im Orchester, den Komponisten der Eröffnungsfanfare des zweiten Teils. »Mother Earth« von David Maslanka ist eine musikalische Beschreibung, wie unachtsam und verschwenderisch die Menschheit mit der Erde umgeht. Aktueller denn je erinnert das Stück daran, dass jeder seinen Beitrag dazu leisten kann, mit »Mutter Natur« achtsamer umzugehen.

Anschließend sorgte das Orchester mit »October« von Eric Whitacre für einen echten Ruhepunkt in der zweiten Konzerthälfte, bevor es mit dem zweiten Hauptwerk des Abends im wahrsten Sinne des Wortes extrem wurde. »Extreme Make-Over« von Johan de Meij lässt sich in vielerlei Hinsicht als extrem beschreiben – extrem schwer, zum Teil extrem schnell, stellenweise extrem laut, aber auch ein extrem schönes Werk. Beginnend mit einem Saxofonquartett steigert sich das Stück, immer wieder Zitate aus der Feder von Peter Iljitsch Tschaikowski paraphrasierend, bis zu einem ersten Höhepunkt. Als extremer Gegensatz folgt ein ruhiger Teil, dessen Besonderheit in der Instrumentierung liegt: Zehn unterschiedlich gestimmte Glasflaschen, die von den Holzbläsern gespielt werden, begleiten ein ausgedehntes Marimba-Solo. Aus dem filigranen Mittelteil heraus intensiviert sich das Stück durch die Einsätze der verschiedenen Register bis zu seinem endgültigen Höhepunkt, einem fulminanten Schlussakkord.

Dass sich die Mühen der Vorbereitung und der vielen Proben gelohnt haben, bestätigte das Publikum durch seinen lang anhaltenden Applaus, der vom Orchester und seinem Dirigenten Bernhard Schlögl mit zwei Zugaben belohnt wurde.

Mit dem spielerisch-heiteren »The Gum-Suckers March« von Percy Aldridge Grainger und »Don’t stop me now« von Freddie Mercury, arrangiert von Frank Bernaerts, bei dem das Orchester auch kurze gesangliche Einlagen präsentierte, wurde das Publikum mit einem weiteren Ohrwurm im Gepäck in den Abend entlassen. Gleichzeitig konnte der Titel »Don’t stop me now« wohl auch als Motto der diesjährigen Sommerphase angesehen werden, bei der das Orchester allen Umständen zum Trotz wieder einmal bewiesen hat, was für ein einzigartiger Gemeinschaftssinn das NBJBO auszeichnet.

Junge Musiker, die ebenfalls Teil dieser Gemeinschaft werden möchten, sind jederzeit herzlich willkommen. Interessierte bis zum vollendeten 27. Lebensjahr, die Lust auf hochkarätige Musik und Kontakt mit vielen Gleichgesinnten haben, finden auf der Orchester-Webseite www.nbjbo.de und auf den zugehörigen Social-Media-Kanälen alle Information rund um die Bewerbung.

2022 Frühjahr

Feierliches Abschlusskonzert der Innsbrucker Promenadenkonzerte

Das NBJBO zu Gast in der Kaiserlichen Hofburg

Text: Lukas Lang

Das Nordbayerische Jugendblasorchester war am letzten Juliwochenende zu Gast bei den Innsbrucker Promenadenkonzerten und hatte die Ehre, in der Kaiserlichen Hofburg im Zentrum Innsbrucks das offizielle Abschlusskonzert der einmonatigen Konzertreihe spielen zu dürfen. Unter dem Dirigenten und Leiter der Promenadenkonzerte Bernhard Schlögl spielte die 55-köpfige Besetzung ein vielseitiges und anspruchsvolles Programm. Einstudiert wurde das Programm innerhalb weniger Tage – an einem verlängerten, sehr sommerlichen Wochenende Mitte Juni in der Frankenakademie im Schloss Schney (Lichtenfels) und am Wochenende vor dem Konzerttermin in Unterpleichfeld.

Am Konzertwochenende ging es mit dem Bus von Würzburg über Erlangen und München nach Innsbruck. Gegen Mitternacht kam der Bus nach mehrstündiger Fahrt am Hotel an. Einchecken, Zimmer beziehen und schlafen, denn am nächsten Morgen stand schon die Generalprobe an. Um zehn Uhr war Probenbeginn im herrlich hergerichteten und geräumigen Probenlokal der Stadtmusikkapelle Wilten. Nach dem Mittagessen ging es dann in Richtung Konzertort, zur Innsbrucker Hofburg – eine der schönsten Bühnen der Welt. Anspielprobe und Fototermin standen an und die Vorfreude war zu spüren. Dass das Wetter nicht optimal sein sollte, zeigte sich, als es eine halbe Stunde vor Konzertbeginn anfing, leicht zu regnen. Aber pünktlich zum Glockenläuten um 19.30 Uhr war der kurze Nieselregen auch schon Geschichte und das Orchester trat auf. Aber nicht das ganze Orchester …

Hauptwerk mit Themen von Carl Maria von Weber sorgte für tosenden Applaus

Gegenüber der Bühne, am anderen Ende der Hofburg, leitete eine kleine Gruppe von Holzbläsern, unterstützt von einer Spielmannstrommel, das Konzert mit einer »Gaillarde« ein, einem Tanzsatz aus der Renaissance von Pierre d’Attaignant, arrangiert von Manu Mellaerts. Übernommen wurde der Tanzrhythmus von einer weiteren Trommel und einer Gruppe von Blechbläsern am seitlichen Eingangstor der Hofburg, woraufhin die vierköpfige Saxofongruppe auf der Bühne übernahm. Nachdem alle Protagonisten unter Applaus und durchgehendem Trommelrhythmus ihren Platz auf der Bühne eingenommen hatten, stieg das ganze Orchester ein und beendete die technisch anspruchsvolle Gaillarde mit einem voluminösen Dur-Akkord. Es folgte die Ouvertüre der Oper »Ruslan und Ludmilla« von Michail Glinka in der Bearbeitung von José Schyns. Das flott pulsierende Werk forderte im ersten von fünf Abschnitten höchste technische Raffinesse, bis man im schwelgend-melodiösen zweiten Teil ankam, in dem die Tenorregister die Hofburg mit ihren warmen Klängen füllen konnten. Nach einer Überleitung ging es zurück zum flotten Anfangsthema und über eine Wiederholung des träumerischen zweiten Themas in das große klanggewaltige Finale.

Nun folgte das Hauptwerk des Abends: Die »Symphonischen Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber« von Paul Hindemith, arrangiert für Blasorchester von Keith Wilson. In seinen vier sehr unterschiedlichen Sätzen forderte das Werk über 20 Minuten die volle Aufmerksamkeit von jedem der 55 Musiker. Der erste Satz, ein schelmisch angehauchtes »Allegro«, fühlte sich durch seine vielen Triller und Akzente an wie eine Pa­rodie von Strauss’ »Till Eulenspiegel«. Niveauvoll führte das Orchester durch einzelne solistische Phasen und verzauberte den Innenhof kurzerhand zum Ort des Schabernacks.

Der zweite Satz »Turandot und Scherzo« begann mit der Vorstellung der beiden Hauptthemen durch eine solistische Flöte und einige Holzbläser. Diese beiden Themen zogen minutenlang boleroartig durch alle Register, bis im Höhepunkt der ganze Aufbau in sich zusammenfiel und sich in eine jazzig angehauchte Fuge verwandelte, die die Blechbläser durch gekonnt eingebrachte Akzent- und Dynamikunterschiede hervorragend darboten. Über spritzige Holzbläserklänge fand die Musik ihr Ziel in einem Schlagwerksolo. Die tiefen Holzbässe griffen im Folgenden wieder das Anfangsthema auf, und das Orchester baute in wenigen Momenten einen satten Höhepunkt auf, welcher durch stufenweise absteigende Dynamik und ein Paukensolo wieder zur Ruhe kam.

Diese Ruhe benötigte der dritte Satz »Andantino« nach dem aufregenden zweiten dringend. Mit einem klagenden Klarinetten- und Fagott-Zwiegespräch im 6/8-Takt ging es über in einen versöhnlichen Mittelteil, in dem das Orchester seine ausgewogene Klangqualität beweisen konnte. Nach einigen träumerischen Melodien folgte der Abschluss des Satzes durch eine Reprise des flächigen Zwiegesprächs von Klarinette und Fagott, das durch ein technisch höchst anspruchsvolles Flötensolo herausragend musikalisch übermalt wurde.

Den runden Abschluss der symphonischen Metamorphosen bildete ein Trauermarsch. Mit immer fortschreitenden punktierten Rhythmen und martialischen Blechklängen, gepaart mit dynamisch abwechslungsreichen und heldenhaften Melodien, fand das Hauptwerk sein Ende. Unter tosendem Applaus durften sich die jungen Musiker des Nordbayerischen Jugendblasorchesters für ihre außergewöhnlich gelungene Interpretation feiern lassen.

Feiern lassen durfte sich dann auch die glückliche Gewinnerin des diesjährigen Gewinnspiels der Innsbrucker Promenadenkonzerte, dessen Auslosung im Anschluss an eine kurze Rede des Innsbrucker Bürgermeisters stattfand. Da der Beitrag des NBJBO auch gleichzeitig der letzte abendliche Beitrag der Konzertreihe war, kam nun der Zeitpunkt für Dankes­reden, die dem Orchester nach den anstrengenden »Metamorphosen« eine kleine Erholungspause verschafften.

Mit »Deutscher Marsch« von Guido Rennert und »Godspeed« von Stephen Melillo beendete das NBJBO das Konzert mit jugendlichem Elan und durfte dank anhaltendem Applaus noch zwei weitere Zugaben zum Besten geben. Mit »Last Call« von Otto M. Schwarz konnte die junge Truppe um Dirigent Bernhard Schlögl mit einer einstudierten Show die Zuschauer nochmals begeistern, welche dies mit Standing Ovations belohnten. Die zweite Zugabe, der Marsch »Mein schönes Innsbruck« von Andreas Bramböck, gab dem Orchester dann die Möglichkeit, sich endgültig und singend zu verabschieden:

»Dann schau ich noch einmal selig zurück und denke der Zeit voll sonnigem Glück.

Zum Abschied ich singe lachend: Leb’ wohl, mein Innsbruck im schönen Tirol!«

Zeit für Bergluft und Innsbrucker Sehenswürdigkeiten zum Abschluss der Konzertreise

Zu Ende war die schöne Konzertfahrt für das Auswahlorchester noch nicht. Am Sonntag wurde man auch noch touristisch aktiv. Nach einer Gondelfahrt zur Nordkette bot sich dem Orchester den ganzen Nachmittag neben der Bergluft auch eine unvergleichlich majestätische Aussicht auf Innsbruck. Gegen Abend durfte noch einmal in Ruhe durch Innsbruck geschlendert und Sehenswürdigkeiten wie das Goldene Dachl, der grüne Inn oder der Anblick der vielen schönen kleinen Gassen genossen werden. Am Montagmorgen ging es dann mit dem Bus wieder zurück Richtung Würzburg – und somit war das erste Highlight des Jahres vorüber.

Ausruhen konnte sich das Nordbayerische Jugendblasorchester aber nur für kurze Zeit, denn die jährliche Sommerphase, das zweite Highlight, stand schon vor der Tür: Ende August traf sich das NBJBO für eine Woche in der Bayerischen Musikakademie Hammelburg und studierte unter der Leitung von Bernhard Schlögl und einem Team aus professionellen Dozenten wieder ein ganz neues Programm für ein Konzertwochenende ein. Unter anderem: »Lincolnshire Posy« von Percy A. Grainger und »Extreme Make-Over« von Johan de Meij.

Wer Qualität und Spielfreude des Orchesters live erleben möchte, ist herzlich eingeladen zu den Abschlusskonzerten der Sommerphase am Samstag, 17. September um 19.30 Uhr in Neumarkt in der Oberpfalz oder am Sonntag, 18. September um 17 Uhr in Bamberg. Es lohnt sich!

Informationen zu vergangenen oder zu kommenden Veranstaltungen des NBJBO gibt es auf der Orchester-Homepage www.nbjbo.de oder auf den zugehörigen Social-Media-Seiten. Jungmusiker unter 27 Jahren sind im Orchester immer herzlich willkommen, um auf hohem Niveau zu musizieren und Kontakte mit vielen jungen gleichgesinnten Menschen zu knüpfen. Interessierte können gerne über die genannten Kanäle mit den Orchesterverantwortlichen Kontakt aufnehmen.

2021 Sommer

Das NBJBO kehrt auf die Konzertbühne zurück

Nach 748 Tagen Konzertpause gelingt ein eindrucksvoller Neustart in Bad Neustadt und Bamberg

Text: Johannes Dornheim und Anna Heuschmann

748 Tage – so lange war das letzte Konzert des Nordbayerischen Jugendblasorchesters her. Was danach folgte, ist allen bekannt. Umso größer war deshalb die Freude, dass mit den beiden Konzerten in Bad Neustadt an der Saale und Bamberg wieder ein Stück Normalität in den Musikeralltag einkehren durfte. Gleichzeitig waren die beiden Konzerte auch das langersehnte Konzertdebüt des neuen Dirigenten Bernhard Schlögl. Doch nicht nur deswegen waren die vergangenen Wochen für das NBJBO eine Zeit, die noch lange im Gedächtnis bleiben wird!

Nachdem eine lange geplante Konzertreise im Juli noch coronabedingt abgesagt werden musste, lagen alle Hoffnungen darauf, dass die jährliche Sommerarbeitsphase wie geplant stattfinden kann. Das Wochenende der Konzertreise wurde deshalb als vorbereitendes Probenwochenende genutzt, bei dem NBMB-Verbandsdirigent Christian Lang den Musikern bereits einen Eindruck von den Stücken vermitteln konnte und eine erste Grundlage für die Arbeitsphase legte. Die Probenwoche in Hammelburg Anfang September selbst war geprägt von einer intensiven und sehr produktiven Probenarbeit mit dem neuen Dirigenten Bernhard Schlögl sowie Dozenten für die einzelnen Register, denen an dieser Stelle nochmals ein großer Dank auszusprechen ist! Auch außerhalb der offiziellen Probenzeit waren die Musiker motiviert, zusammen zu spielen. So entstanden im Laufe der Woche Ensemblebeiträge einzelner Register, und auch für die traditionelle Blasmusik war nach den abendlichen Proben noch Ansatz übrig.

Abseits der musikalischen Arbeit zeigte sich zudem wieder einmal ein weiteres Erkennungsmerkmal des NBJBO – die unglaublich gute Orchestergemeinschaft. Sei es eine gemeinsame nachmittägliche Wanderung durch die Hammelburger Weinberge, lustige Gesellschaftsspiele oder gemeinsame Kennenlernaktionen am Abend: Jede gemeinsame Aktivität wurde genossen. All das trug dazu bei, dass die Woche in Hammelburg geprägt war von freundschaftlichem gegenseitigem Umgang, der sowohl während der Proben als auch bei abendlichen Gesprächen in geselliger Runde für eine ganz besondere Atmosphäre sorgte.

»Symphony No. 4« von David Maslanka im Mittelpunkt der Konzerte

Dementsprechend groß war nach der Probenwoche die Vorfreude auf das Konzertwochenende, das das NBJBO in die Stadthalle nach Bad Neustadt an der Saale und die Sinfonie an der Regnitz führte, die Konzerthalle der Bamberger Symphoniker. Das Konzertprogramm war gespickt mit Werken verschiedenster Epochen und Stilrichtungen, eröffnet vom »Koning Willem-Alexander Mars« des niederländischen Komponisten Gert Buitenhuis. Direkt im Anschluss war mit der »Rhapsody for Alto Saxophone« von André Waignein ein Highlight des Konzerts geboten. Denn die hervorragende Solistin Lena Iris Brendel, selbst ein langjähriges Mitglied des Orchesters, schaffte es mit Leichtigkeit, mit ihrem virtuosen und emotionalen Spiel das Publikum zu verzaubern. Nach der genialen Saxofon-Rhapsodie folgte als Ruhepol der ersten Konzerthälfte der »Colonial Song« von Percy Aldridge Grainger, der die Sehnsucht nach der Heimat eindrücklich in musikalischer Form einfängt. Einen schwungvollen Übergang in die Pause lieferte der »Marche Militaire Francaise« von Camille Saint-Saëns, bevor in der zweiten Konzerthälfte ein weiteres Highlight des Konzerts auf die Zuhörer wartete.

Mit der »Symphony No. 4« von David Maslanka hat sich das NBJBO ein gewaltiges Werk der Blasorchesterliteratur ausgesucht. Inspiriert vom tiefen Freudenschrei über die Schönheit des Lebens schrieb Maslanka ein abwechslungsreiches Stück, das dem Orchester viele Klangfacetten abverlangt. Mal melancholisch und intim, stellenweise aber auch klanggewaltig und brutal. Dass sich die Mühen der Vorbereitung und der vielen Proben gelohnt haben, bestätigte das Publikum durch seinen lang anhaltenden Applaus, der vom Orchester mit zwei Zugaben belohnt wurde. Mit dem leider eher unbekannten »March for the Sultan Abdul Medjid« von Gioacchino Rossini neigten sich die Konzerte dem Ende entgegen. Als »letzten Aufruf« an das Publikum hatte das Orchester den modernen Klassiker »Last Call« von Otto M. Schwarz im Gepäck. Mit selbst einstudierten Choreografien zeigten die verschiedenen Register nochmals eindrucksvoll, mit wie viel Spielfreude im NBJBO musiziert wird.

Auch hier gab es tosenden Applaus für das Orchester und seinen Dirigenten Bernhard Schlögl, der durch seine charmante und lockere Moderation die Konzerte perfekt abrundete. Da ist klar, dass die Chemie zwischen Dirigenten und Orchester stimmen muss. Glücklicherweise steht mit Bernhard Schlögl ein Dirigent am Pult, der sowohl musikalisch als auch menschlich wunderbar mit dem Orchester harmoniert! Am Ende bleibt eine weit mehr als gelungene Arbeitsphase des Orchesters, die gekrönt wurde mit einem Wochenende voller magischer Momente, das den Musikern und Konzertbesuchern noch lange in Erinnerung bleiben wird. Fazit: Das ist es, das ist »das Nordbayerische«!