Gegenüber der Bühne, am anderen Ende der Hofburg, leitete eine kleine Gruppe von Holzbläsern, unterstützt von einer Spielmannstrommel, das Konzert mit einer »Gaillarde« ein, einem Tanzsatz aus der Renaissance von Pierre d’Attaignant, arrangiert von Manu Mellaerts. Übernommen wurde der Tanzrhythmus von einer weiteren Trommel und einer Gruppe von Blechbläsern am seitlichen Eingangstor der Hofburg, woraufhin die vierköpfige Saxofongruppe auf der Bühne übernahm. Nachdem alle Protagonisten unter Applaus und durchgehendem Trommelrhythmus ihren Platz auf der Bühne eingenommen hatten, stieg das ganze Orchester ein und beendete die technisch anspruchsvolle Gaillarde mit einem voluminösen Dur-Akkord. Es folgte die Ouvertüre der Oper »Ruslan und Ludmilla« von Michail Glinka in der Bearbeitung von José Schyns. Das flott pulsierende Werk forderte im ersten von fünf Abschnitten höchste technische Raffinesse, bis man im schwelgend-melodiösen zweiten Teil ankam, in dem die Tenorregister die Hofburg mit ihren warmen Klängen füllen konnten. Nach einer Überleitung ging es zurück zum flotten Anfangsthema und über eine Wiederholung des träumerischen zweiten Themas in das große klanggewaltige Finale.
Nun folgte das Hauptwerk des Abends: Die »Symphonischen Metamorphosen über Themen von Carl Maria von Weber« von Paul Hindemith, arrangiert für Blasorchester von Keith Wilson. In seinen vier sehr unterschiedlichen Sätzen forderte das Werk über 20 Minuten die volle Aufmerksamkeit von jedem der 55 Musiker. Der erste Satz, ein schelmisch angehauchtes »Allegro«, fühlte sich durch seine vielen Triller und Akzente an wie eine Parodie von Strauss’ »Till Eulenspiegel«. Niveauvoll führte das Orchester durch einzelne solistische Phasen und verzauberte den Innenhof kurzerhand zum Ort des Schabernacks.
Der zweite Satz »Turandot und Scherzo« begann mit der Vorstellung der beiden Hauptthemen durch eine solistische Flöte und einige Holzbläser. Diese beiden Themen zogen minutenlang boleroartig durch alle Register, bis im Höhepunkt der ganze Aufbau in sich zusammenfiel und sich in eine jazzig angehauchte Fuge verwandelte, die die Blechbläser durch gekonnt eingebrachte Akzent- und Dynamikunterschiede hervorragend darboten. Über spritzige Holzbläserklänge fand die Musik ihr Ziel in einem Schlagwerksolo. Die tiefen Holzbässe griffen im Folgenden wieder das Anfangsthema auf, und das Orchester baute in wenigen Momenten einen satten Höhepunkt auf, welcher durch stufenweise absteigende Dynamik und ein Paukensolo wieder zur Ruhe kam.
Diese Ruhe benötigte der dritte Satz »Andantino« nach dem aufregenden zweiten dringend. Mit einem klagenden Klarinetten- und Fagott-Zwiegespräch im 6/8-Takt ging es über in einen versöhnlichen Mittelteil, in dem das Orchester seine ausgewogene Klangqualität beweisen konnte. Nach einigen träumerischen Melodien folgte der Abschluss des Satzes durch eine Reprise des flächigen Zwiegesprächs von Klarinette und Fagott, das durch ein technisch höchst anspruchsvolles Flötensolo herausragend musikalisch übermalt wurde.
Den runden Abschluss der symphonischen Metamorphosen bildete ein Trauermarsch. Mit immer fortschreitenden punktierten Rhythmen und martialischen Blechklängen, gepaart mit dynamisch abwechslungsreichen und heldenhaften Melodien, fand das Hauptwerk sein Ende. Unter tosendem Applaus durften sich die jungen Musiker des Nordbayerischen Jugendblasorchesters für ihre außergewöhnlich gelungene Interpretation feiern lassen.
Feiern lassen durfte sich dann auch die glückliche Gewinnerin des diesjährigen Gewinnspiels der Innsbrucker Promenadenkonzerte, dessen Auslosung im Anschluss an eine kurze Rede des Innsbrucker Bürgermeisters stattfand. Da der Beitrag des NBJBO auch gleichzeitig der letzte abendliche Beitrag der Konzertreihe war, kam nun der Zeitpunkt für Dankesreden, die dem Orchester nach den anstrengenden »Metamorphosen« eine kleine Erholungspause verschafften.
Mit »Deutscher Marsch« von Guido Rennert und »Godspeed« von Stephen Melillo beendete das NBJBO das Konzert mit jugendlichem Elan und durfte dank anhaltendem Applaus noch zwei weitere Zugaben zum Besten geben. Mit »Last Call« von Otto M. Schwarz konnte die junge Truppe um Dirigent Bernhard Schlögl mit einer einstudierten Show die Zuschauer nochmals begeistern, welche dies mit Standing Ovations belohnten. Die zweite Zugabe, der Marsch »Mein schönes Innsbruck« von Andreas Bramböck, gab dem Orchester dann die Möglichkeit, sich endgültig und singend zu verabschieden:
»Dann schau ich noch einmal selig zurück und denke der Zeit voll sonnigem Glück.